Spitaler des Monats

„Wir würden die Jugend fördern“

Die amtierende Staatsmeisterin im Kleinkalibergewehr Heidi Seidl aus Steinhaus ist unsere Spitalerin des Monats im März. Wie die spätberufene agile 76-Jährige zu dem Sport gekommen ist erzählt sie uns im Interview:

 

SpaS-Blog: Liebe Heidi, wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Heidi Seidl: Meinen idealen Sonntag verbringe ich gerne beim Spazieren im Sommer oder einfach beim Grillen und relaxen.

SB: Du bist amtierende Staatsmeisterin im 50 Meter Kleinkalibergewehr Schießen. Wie bist du zu diesem Sport gekommen?

HS: Durch Zufall. Durch Freunde, die alljährlich bei einer Meisterschaft in Mank (Niederösterreich) sind und da durfte ich als Gast mitfahren. Das hat mir dann gefallen. Eine Freundin, die dabei war, hat mich dann eingeladen in die Schießstätte nach Mürzzuschlag zu kommen. Ich habe das erste Mal ein Gewehr in der Hand gehabt und nur 9er und 10er (Anm.: Die beiden innersten Kreise der Scheibe) geschossen. Daraufhin hat sie mich nicht mehr ausgelassen – das war vor dreieinhalb Jahren.

SB: Da hast du doch relativ spät begonnen.

HS: Meine Freundin hat früher auch sehr gut geschossen, schießt aber heute nicht mehr und steht seitdem hinter mir und sagt mir an wie ich´s richtig machen soll. Wir sind ein gutes Team.

SB: Zum Meistertitel selbst – wie sahen da deine Vorbereitungen aus?

HS: Dafür habe ich sehr viel trainiert, drei bis vier Mal die Woche schon. Bei einem Training absolviert man zuerst 40 Schuss, dann sollte man raus gehen in die Luft, ins Grüne. Dann wieder rein und abermalig 40 Schuss, dann hier und da mal nur 10, je nach dem. Dann kommt man bei einem Training schon auf 100 Schuss. Mehr machen keinen Sinn, weil das Auge nicht mehr schafft.

SB: Die Meisterschaft war in Linz: Wie hast du sie erlebt?

HS: Das war meine zweite Staatsmeisterschaft, bei der ersten habe ich noch im Luftdruckgewehr-Bewerb mitgeschossen und bin auf Anhieb Vierte geworden.

Bei der Staatsmeisterschaft läuft das folgendermaßen ab:

Bei der Ankunft am Vortag der Meisterschaft wird das Gewehr kontrolliert, ob es auch dem entspricht, was vorgegeben ist. Am Nachmittag kann man frei trainieren und abends genießt man das gesellige Beisammensein mit den Steirern.

Am Wettkampftag bekommt man genau den Termin, da wird vorher auch nicht mehr trainiert. Die Wettbewerbe selbst dauern eine Viertel Stunde zur Übung und danach 50 Minuten für eine 40 Schuss Serie. Das kann man sich dann einteilen, das ist egal, wann man diese schießt. Innerhalb dieser Zeit muss man eben fertig sein. Ich bin da immer relativ schnell fertig.

SB: Wie viele Kontrahentinnen hattest du da?

HS: Um die 20 in meiner Klasse.

SB: Wie groß war die steirische Delegation selbst?

HS: Um die 10 – 12 Steirer sind da immer mit dabei. Männer wie Frauen. Schwerpunkt aber aus der Mur-Mürz Furche.

SB: Zum Sport selbst: Wie stehts um die Jugend?

HS: Wir haben in Mürzzuschlag jährlich einen Gemeinde-Vorstellungstag der Sportvereine, da kommen in zwei Tagen an die 600 Jugendliche, um sich die verschiedensten Sportarten anzusehen. Darunter auch wir (Anm.: Heidi Seidls Stammverein ist die Privilegierte Schützengesellschaft 1652 Mürzzuschlag), da haben wir sehr guten Zulauf. Aber mit der Schule wird es den Kindern oft zu viel. Das Interesse ist sicherlich da, aber der Zeitmangel spielt da sicherlich mit, obwohl wir die Jugend stark fördern würden.

SB: Was würde den Sport für Jugendliche attraktiver machen bzw. was macht das Sportschießen aus?

HS: Die Konzentration und die Wettbewerbe sind sicherlich ein Anreiz, aber hauptsächlich die Konzentration, die Disziplin beim Sport selbst. Was noch in Mürzzuschlag einen sehr hohen Stellenwert hat, ist die Gemeinschaft. Eine ausgesprochene freundliche und gute Gemeinschaft. Wo sich der eine mit dem anderen mitfreut, wenn er gut schießt.

SB: Wir haben ja schon vom Interesse gesprochen, wie sieht es mit der Finanzierbarkeit aus?

HS: Natürlich kosten Gewehre etwas. Mein Luftdruckgewehr zum Beispiel hat 2800€ gekostet. Das Kleinkaliber-Gewehr stellt der Verein. Mit dem darf ich schießen. Das ist auf mich abgestimmt, aber die Munitionkostet bei Luftdruckgewehren bei 500 Stk. um die 9€. Ebenso bei den Kleinkaliber-Gewehren. Es ist nicht so arg, aber es ist leistbar. Für Jugendliche sind genug geeignete Gewehre vorhanden.

SB: Die Hand ist also ausgestreckt.

HS: Ja, auf alle Fälle. Wir freuen uns auf Zulauf.

SB: Abschließende Frage: Wen würdest du gern am Schießstand mitnehmen?

HS: David Zwilling (Anm.: österreichischer Abfahrtsweltmeister 1974) Den habe ich mal auf der Bank kennengelernt bei einer Autogrammstunde. Ihn kenne ich persönlich. Ich habe ihn später nochmal getroffen und bin sehr begeistert von seinen Pilger-Wanderungen.

SB: Danke für das Interview.

Related Posts

1 Comment

  • Reply
    76 Jahre jung und Doppelstaatsmeisterin – SpaS Blog
    21. Juni 2017 at 18:35

    […] Hier das Interview mit Heidelinde Seidl vom März 2017 […]

  • Leave a Reply

    Please type the characters of this captcha image in the input box

    Bitte die Buchstaben des captcha Bildes im Eingabefeld eintippen