Spitaler des Monats

„Das Wichtigste ist die Persönlichkeit“

Im Jänner treffen wir den 38-jährigen Skiflüsterer Peter Perner in seiner Wirkungsstätte:  Sportgeschäft und Skiverleih Buchebner. In Mitten der Hochsaison lässt er uns über seine Schultern blicken und erzählt uns über die Geheimnisse des Skiservice.

 

SpaS-Blog: Lieber Peter, wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Peter Perner: Im Sommer schaut´s so aus, dass man doch eine Stunde länger schläft, auch wenn ich kein Langschläfer bin. Dann ein gemeinsames Frühstück mit meiner Nati und dann freuen wir uns, wenn wir bei der Schwiegermutter eingeladen sind zum Essen. Der Sonntag ist ein reiner Frauentag.

SB: Wie bist du zum Sport Buchebner gekommen?

PP: Ich bin eigentlich gelernter Tischler, war dann bei der Fa. Zenker Hausbau über 6 Jahre lang beschäftigt, aber die Winter waren nicht immer lustig, wenn man draußen bei Minusgraden arbeitet. Da kam ich an den Punkt, wo ich zum Telefon griff und Günther (Buchebner, Anm. ehem. Chef) fragte, ob er jemanden für den Winter brauchen würde? Dadurch bin ich zur Firma gekommen und es läuft mittlerweile die 14. Saison für mich. Ich habe damals von 0 weg meinen Kundenstock aufgebaut. Alleine bist du aber trotzdem gar nichts und deshalb ist die gesamte Mannschaft von der Chefin (Anm: Ilse Buchebner, Inhaberin) an gefragt. Jeder der hier arbeitet wird gleich angesehen und das geht weit ins Private hinaus, wo auch Freundschaften entstanden sind.

SB: Wie sieht bei euch eine Saison aus ?

PP: Die Leute sehen hauptsächlich die Weihnachts- und Energieferien, wenn das Geschäft übergeht. Aber es ist halt trotzdem so, das klingt vielleicht blöd, dass Ende Februar für uns die Saison gelaufen ist. Die kommende Saison beginnt für uns bereits mit März – da beginnt die Vororder des Materials für das kommende Jahr. Rund um den 2. November sperren wir dann auf. Jeder Artikel im Haus muss zuvor elektronisch erfasst werden und gehört dort hingestellt, wo er hingehört. Die Servicemaschinen werden frisch gewartet, die EDV auf neuesten Stand gebracht und Anfang November sollte das Rad schon laufen.

 

 

SB: Wie viel Stammpersonal habt ihr hier im Haus?

PP: Fix angestellt sind Vollzeit 4 Personen. Und an den Wochenenden kommen noch geringfügige Kollegen dazu. Viele von den Arbeitern sind im Sommer Zimmerer die den Winter damit überbrücken. Wir sind ein kleines feines Sportfachgeschäft und bei uns ist die Persönlichkeit wirklich das was am Stärksten zählt.

SB: Neben dem Laufkundengeschäft habt ihr auch treue Kundschaften.

PP: Wir haben bereits im November sehr viele Stammkunden, die kommen und das Skiservice für den Gletscher machen. Wir machen Profiausstattung und haben uns spezialisiert auf das Rennservice.
Man kann sagen, dass wir im Umkreis von 300 Kilometern von Spital Kunden haben. Bis Kärnten – Klagenfurt, Grazer Raum, Niederösterreich, Burgenland, Skibezirk Wien auch sehr stark und bis nach Salzburg. Vom Jugendbereich angefangen bis zu Mastersfahrern und teilweise auch Europacup-Fahrer. Aber auch aus Tschechien, der Slowakei oder Ungarn haben wir treue Kunden.

SB: Haupt-Tagesgeschäft ist der Verleih, siehst du da einen Trend hin zu mehr Leihen statt Kaufen?

PP: Wir haben allgemein gesagt 450 Paar Ski und um die 100 Boards plus Zubehör im Haus. Und als Verleiher bist du verpflichtend jedes Jahr jeden Ski zu überprüfen. Jeden Tag kommen unterschiedliche Leute – einmal mit 60 Kilo, einmal mit 100 Kilo – und da nützt sich das Material natürlich ab. Deshalb machen wir diese Checks und auch unter der Saison machen wir Stichproben. Das sind unsere Auflagen, dafür haften wir.

Wir sind ein Tagesskigebiet und die Kunden wollen am Abend die Produkte zurückbringen und am nächsten Tag in der Früh das Produkt wieder top hergerichtet verwenden. Wir reden hier von mehreren hundert Kunden an starken Tagen. Nach Ladenschluss um 17:00 werden die Ski frisch strukturiert, Kanten gemacht und gewachst und die Schuhe getrocknet und desinfiziert. Das geht sich nur aus, weil wir ein sehr gutes Stammpersonal und eine sehr gute Chefin haben.

 

 

SB: Was ratest du den gelegentlichen Skifahrern, Kaufen oder Leihen ?

PP: Unter 10 Mal Ski fahren pro Saison zahlt es sich sowieso nicht aus, dass man selbst einen Ski hat. Viele Familien wollen sich das mitterlweile ersparen, dass sie am Vorabend alles aus dem Kellerabteil räumen müssen, die Ski über den Sommer womöglich rostig geworden sind und diese dann herrichten lassen müssen und das selbe Procedere am Abend nochmal.

So kommt man eben her, leiht sich das aus und am Abend bringt man es zurück und fährt nach Hause.

SB: Allgemein gefragt, die Wintersaison in Spital. Wo siehst du noch ein Potential im Wintersport?

PP: Potential wäre sicherlich im Frühjahr hinaus. Das magische Datum ist für uns der 15. März. Da können wir den schönsten Schnee und die besten Pisten haben, aber wenn es in Wien oder Graz schon grün ist, kommen die Leute nicht mehr und gehen lieber Laufen oder Radfahren. Da sehe ich schon eine Überlegung in die Werbung zu investieren und bewusst den Sonnenskilauf mehr publik macht.

SB: Was habt ihr heuer noch vor oder was kannst du uns vorausschauend sagen wie sich der Bereich Ski entwickelt?

PP: Am Skisektor selbst tut sich nicht sehr viel. Sollten wir wieder mehr Naturschnee haben, wie derzeit, müssten wir auf etwas breitere Taillierungen umsatteln. Aber meist haben wir eine pickeharte Piste. Für die ausgelegt, haben wir eine neue Finisher-Maschine angeschafft, die die Rennkante fertig macht, sprich eine schärfere Kante schleift. Da habe ich auch ein wirklich großes Ohr bei meiner Chefin.

Das ist wirklich bei uns noch so wie früher, dass wir uns zusammensetzen, dann reden wir was könnte Sinn machen und sie gibt dann das OK. Und eben dieses Vertrauen macht viel aus. Das ist nicht selbstverständlich. Es ist dadurch ein schönes Arbeiten für alle.

Auf Zukunft gesehen, wollen wir unseren persönlichen Zugang noch stärken, das Fachwissen durch Schulungen ständig ausbauen und eben das Wichtigste ist unsere Persönlichkeit. Wir merken, dass die Leute immer mehr auf das Zurück kommen – auf diese Handschlagqualität und auf das persönliche Vertrauen.


SB: Stichwort Onlinehandel, der in vielen Bereichen stärker wird: Rein theoretisch könnte man wie manche schon probieren online vorbestellen und das Produkt direkt fertig abholen. Wäre das ein Weg für euch?

PP: Theoretisch ist in der heutigen Zeit alles möglich. Aber das passt nicht zu unserer Persönlichkeit. Wir haben immer genug Material im Haus, es geht also niemand leer raus, sonst bekommt er ein komplett neues Produkt montiert. Auch wenn das möglich ist vorzubestellen, aber ich muss das Material am Vortag zusammenstellen, suchen und wenn es dann nicht passt, hat man erst die doppelte Arbeit. Deshalb sehe ich den Vorteil derzeit noch nicht, aber man weiß nicht wie es in 10 Jahren aussieht.

SB: Abschließende Frage: Wem würdest du gern die Ski mal wachseln?

PP: Nachdem man weiß was wir so im Geschäft hier stehen haben – gibt es in meinen Augen nur einen – den Henrik Kristofferson (Anm: norwegischer Slalom-Weltcup Sieger). Der ist schon ein cooler Typ, mit dem man sicherlich nicht nur Ski fahren, sondern auch Apres Ski gehen kann.

SB: Danke für das Interview.

 

 

 

 

 

 

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