Spitaler des Monats

„Ahhh, die Schwarzen kommen“

Wenige Tage vor dem legendären Kaltenbach Open Air in Spital am Semmering haben wir den Obmann des Kulturvereines, der hinter dem Festival steht, Manfred Kargl zum Interview gebeten. Wie der 39-jährige Automatisierungstechniker mit der anfänglichen Kritik der Bevölkerung umging und wie man seine Besucher beschreiben könnte…

SpaS-Blog: Lieber Fred, wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Fred Kargl: Der ideale Sonntag ist, wenn ich in der Früh rausschaue und es geht kein Wind zwecks Gleitschirmfliegen, eines meiner Hobbies. Dann gehe ich auf die Rax oder aufs Stuhleck und fliege. Von dem Startplatz aus kommst du teilweise rauf nach Liezen. Über Veitsch, Präbichl, Palten-Liesing Tal bis nach Liezen.

SB: Zum Kaltenbach Open Air – kurz KOA – seit wann gibt es den Verein?

FK: Wir haben den Verein 2003, wie wir die ersten Veranstaltungen gemacht haben, gegründet. Wir haben auch in Graz, Linz und Salzburg Veranstaltungen gemacht unter dem Vereinsnamen. Wir haben dort relativ viele Club-Shows gemacht mit den Bands, die wir gekannt haben.

SB: Wie ist es dann entstanden, dass ihr gesagt habt ihr geht in den Kaltenbach?

FK: Die Örtlichkeit war vorbestimmt. Unter dem Label „Neues Biedermeier“ hat ein Bekannter Underground Feste im Kaltenbach gemacht. Auch der Filzwieser Stefan hat mit Gruber Ed und Posch Patrick (Gruppe Stringfield) im Kaltenbach bei der Promibahn Konzerte gegeben, weil die Infrastruktur da war. Am Standort, wo wir jetzt sind, war früher der Campingplatz.

SB: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass ihr das Kaltenbach Open Air macht?

FK: Die Idee war von mir. Wir haben durch die eigene Partie relativ viele Konzerte und Festivals gespielt und so haben wir die Bands gekannt. Und dann haben wir am Weg nach Hause von einem Festival gedacht: „Nächstes Jahr machen wir selber eines“.

SB: Wie viele Leute waren zu Beginn im Organisationskomitee dabei?

FK: Reichel Christian, Thomas Buschta und ich. Mittlerweile sind im Kernteam zehn Leute und rund ums Festival sind es rund 100 Personen, die direkt am Festival, bei der Ausschank, als Ordner oder sonst wo arbeiten. Bis auf die Verpflegung, die Fleischerei Zimmermann macht, machen wir alles selber.

SB: Du hast den regionale Aspekt angesprochen, ist euch das ein großes Anliegen?

FK: Alles was möglich ist, hätte ich gerne im Ort gehalten. Gewisse Sachen wie die Bühne, die Anlagen gehen eh nicht, weil wir die Anbieter dazu nicht haben. Es klingt immer spannend, wenn man bei der Fleischerei Zimmermann vegane Gerichte bekommt, aber ich möchte keinen zweiten Anbieter dabei haben. So muss er eben auch einmal Veganes auskochen.

SB: 2. Regionales Standbein sind die österreichischen Bands. Ihr fokussiert euch auf ein großes Line-Up, verzichtet auf übergroße Headliner, setzt auf Bands aus der Region.

FK: Wir wollen es so breit gefächert wie möglich haben. Wir wollen keine zwei riesigen Headliner haben und die Vorbands spielen dann nur 25 Minuten. Wir behandeln jede Band gleich. 50 Prozent sind immer aus Österreich und der Rest wird mit internationalen Gruppen aufgefüllt.

SB: Viele andere Metal-Festivals sind ausgestorben, warum das KOA nicht?

FK: Ich glaube, dass unser Konzept besser auf geht. Wir sind drauf gekommen, dass es egal ist, wer bei uns spielt, denn es kommen immer die selben Leute. Es kommt auch immer die gleiche Anzahl – rund 6000 Gäste pro Jahr. Also möglicherweise werden wir irgendwann an Überalterung zu Grunde gehen, aber sonst läuft es gut. Was auch mitspielt ist, dass man im Vergleich zu 2003 teilweise 400-500 Prozent mehr Gage an die Bands bezahlen muss, obwohl sie nicht bekannter oder besser geworden sind. Einfach, weil die CD Einkäufe so eingegangen sind und sich die Bands mit den Konzerten finanzieren müssen. Deshalb ist es relativ unfinanzierbar große Bands zu holen.

SB: Ist die Community, die Reichweite so klein?

FK: Österreich ist einfach zu klein. Es kommen natürlich Leute aus Deutschland, Italien, Ungarn, aber uns fehlen die großen Städte im Einzugsgebiet. Wenn du so etwas im Ruhrpott in Deutschland aufziehst, dann hast du im Umkreis von 100 Kilometer zwei Mal Österreich.

SB: Euer Konzept ist trotzdem aufgegangen. Mit einem kurzen Ausreißer als ihr den Ort gewechselt habt. Wie ging es euch damals?

FK: Wir hatten einen Platzmangel im Kaltenbachgraben und sind deshalb nach Grautschenhof ins Rückhaltebecken ausgewichen. Der Platz selber wäre weiterhin möglich gewesen, aber wir sind durchs Siedlungsgebiet eingeschränkt. Und trotz großen Headliner und schlechtem Wetter sind wir finanziell über die Runden gekommen. Was uns das Genick fast gebrochen hat war das Jahr darauf als wir zurück gegangen sind. Wir vermuten, dass uns der Platzmangel die Leute gekostet hat. Wir hatten von ein auf das andere Jahr 40% weniger Leute und wussten nicht warum. Die einen haben gemeint durch die Wirtschaftskrise, dass man auf Festival als erstes verzichtet, aber wir glauben, dass es der Platzmangel war. Wir haben dann gesagt wir halten es definitiv kleiner, weil es für uns einfach angenehmer ist. Ab einer gewissen Besucherzahl bist du nur mehr am rennen. So haben wir es genau in dem Rahmen, wo du selber auch noch eine Gaude haben kannst.

SB: Das KOA war immer Thema in der Gemeinde, sehr kontrovers diskutiert und mit viel Widerstand seitens der Anrainer. Glaubst du wenn du auf einer komplett anderen Schiene fährst – zum Beispiel Schlager oder Volksmusik – dass die Akzeptanz größer wäre?

FK: Ich glaube, dass sie geringer wäre, weil die Leute nicht so gemütlich wären. Nach den ersten beiden Jahren war die Akzeptanz größtenteils da. Am Anfang hieß es „Ahhhh, die Schwarzen kommen“, aber nachdem die Bevölkerung gemerkt hat, dass da gemütliche Leute kommen wurde es deutlich besser – es waren ja auch Leute beim Kräutergartenfest und haben dort mit den Spitalern gefeiert. Was man auch sagen muss, wir hatten in den 12 Jahren keine einzige Schlägerei gehabt.

SB: Um was geht es dann den Anrainern, die sich da quer gelegt haben?

FK: Ich glaube, da geht es um andere Prinzipien. Die Veranstaltung ist da ziemlich egal. Man braucht einfach etwas über das man sich aufregen kann. Alle Fakten die gekommen sind, alle Gründe waren nicht haltbar. Auch bei der Aussprache auf der BH mit der Bezirkshauptfrau, dem Bürgermeister, den Anrainern und uns gab es keine gröberen Gründe. Die Vorgaben, die wir bekommen haben, waren kleine logistische Sachen wie Zufahrtsstraßen, die freigehalten werden müssen oder ausgewiesene Campingflächen.

 

SB: „Die Schwarzen kommen“ hast du gesagt. Wie würdest du den typischen KOA-Festival Besucher beschreiben?

FK: Es gibt keinen typischen KOA-Geher. Es kommen vom Staplerfahrer bis zum Diplomingenieur alle, eh wie in allen Musikrichtungen.

SB: Was erwartet die Besucher heuer generell beim KOA?

FK: Ein breit gefächertes internationales Line-Up, eine gute Verpflegung, viel Bier und vor allem viel Spaß. An Neuerungen wird es heuer erstmals Duschen und einen zusätzlichen Reinigungstrupp für die sanitären Einrichtungen geben.

SB: Abschließende Frage, mit wem würdest du gern mal Skifahren gehen?

FK: Mit Tom Angelripper von Sodom (Anm.: deutsche Metal-Band, die schon zwei Mal beim KOA gespielt haben). Ein begnadeter Jäger, den wir sogar schon mal zu einer Jagd bei uns eingeladen haben.

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