Spitaler des Monats

“Eisstockenschießen verbindet”

Der SpaS-Blog trifft im Februar den 75-jährigen Walter Jurak, ehemaliger ÖBB-Verschubaufseher am Semmering und seit seiner Gründung Obmann des Eisschützen-Vereines Steinhaus, der heuer sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Walter erklärt uns, dass es den Verein schon weit aus länger gibt und welche Wünsche er für Spital hat.

Interview geführt von Marcel Skerget (SpaS-Blog – SB)

SpaS-Blog: Lieber Walter, wir treffen uns hier in der Eishütte des ESV Steinhaus. Neben uns sitzt eine Runde von handarbeitenden Damen und draußen präparieren deine Männer die Eisbahn. Unsere Einstiegsfrage: Wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Walter Jurak: Vormittag schau ich mal nach, ob es ein Bergwetter hat. Das ist mir natürlich das Liebste. Vor dem Mittagessen geh ich eine Runde und am Nachmittag mach ichs´ mir mit meiner Mona gemütlich. Und im Winter gehen wir natürlich auf die Eisbahn.

SB: Stichwort Eisbahn: Gibt es einen großen Unterschied zwischen Asphalt- und Eisschießen?
WJ: Die grundlegende Technik, das „Anziehen“ ist das Selbe. Im Sommer ist jedoch der Stock schwerer und die Untergrundplatten ist eine andere. Der große Vorteil im Sommer ist eben, dass man bis spät am Abend mit kurzer Hose draußen schießen kann. Wir spielen auch im Sommer an den Wochenenden.

SB: Wie oft spielt ihr im Winter?

WJ: Wenns geht sind wir jeden Tag um 15:00 da. Bis 18:00, 19:00 Uhr. Wir spielen auch gegen andere Schützenvereine, wie Edlach (heuer bereits das 66. Schießen) oder Grautschenhof, aber auch gegen Vereine wie den Fußballclub Steinhaus oder die Feuerwehr. Insgesamt sind es heuer 8 Schießen extern und der Gemeindepokal.

SB: Du hast uns ja verraten, dass du seit 1975 bereits die Geschicke leitest? Was ist in der Geschichte des Vereines passiert?

WJ: Im Jahr 1975 hat mir Hans Wetzel ein Mitgliederbuch übergeben, eigentlich hingeschmissen und hat gesagt du machst das ab jetzt, so bin ich dazu gekommen. Im Laufe der Zeit waren wir auf verschiedenen Eisbahnen in Steinhaus, ob beim Gesslbauer, beim Preininger oder beim Faist ursprünglich. Seit 1991, seit unserer Vereinsgründung, sind wir jetzt eigentlich auf diesem Platz, den wir sehr liebevoll gebaut und gemeinsam eingerichtet haben. So eine Eishütte sieht man nicht oft. Ausschlaggebend war der damalige Vizebürgermeister Peter Grabner, der an mich herangetreten ist und gemeint hat, gründet einen Verein. Zur gleichen Zeit hat die Gemeinde den Grund (Anm.: ein ehemaliges Sägewerk) gekauft und darauf den Bauhof errichtet. Daneben haben wir eben mit großer Hilfe der Mitglieder die Eisbahn gebaut.

SB: Die Lage ist ja ideal. Ihr habt den kalten Bach, die Fröschnitz, daneben. Wie lange kann man schießen im Schnitt?

WJ: Ja bis Februar haben wir hier kompletten Schatten. Jetzt schön langsam kommt die Sonne durch. Es geht immer ein kalter Wind von Spital rauf. Je nachdem wie eben der Winter verläuft.

SB: Wie groß ist der Verein derzeit?

WJ: Wir sind bei ca. 84 Mitgliedern, aber wir hatten auch schon seit über 100. Aber wir werden generell eben immer weniger in Steinhaus. Was sehr erstaunlich ist, dass wir pro Winter ca. 1000 Personen hier in der Eishütte haben. Das ist für die Größe der Ortschaft schon eine ordentlich stolze Zahl.

SB: Wie du schon angesprochen hast. Auch der Gemeindepokal hatte heuer eine Rekordteilnehmerzahl von 26 Mannschaften. Was macht den besonderen Reiz, das Geheimnis aus vom Eisschießen?

WJ: Das Wichtigste in meinen Augen ist das Zusammenkommen. Dass die Leute zusammenkommen, wie es eben früher auch war. Es kommen viele Junge zum Knödelschießen oder auch zum Gemeindepokal, das ist super! Es ist immer eine Hetz und eine Gaudi. Nach dem Schießen gehen wir mit den gegnerischen Mannschaften dann meistens zu unseren 2 Wirtshäusern um auch diese zu unterstützen (Anm: GH Gesslbauer & GH Goldeck Weninger).

SB: Was macht ihr rund um den Gemeindepokal zusätzlich? Gibt es einen Mehraufwand?

WJ: Nein, eigentlich ist die Vorbereitung das Gleiche wie sonst auch. Nachdem wir viele Gäste haben bewirten wir sie natürlich auch, sei es ein selbst gemachter Braten oder Mehlspeisen. Das gefällt den Leuten und das hat man eben nicht überall.

SB: Du hast ja eine ganz spezielle Verbindung zu diesem Platz hier?

WJ: Ja, wir stammen ja von der Familie Glaser ab und meine älteren Geschwister kamen auch noch hier auf die Welt. Ich habe hier zudem meine Lehrausbildung zum Sägefacharbeiter gemacht. Dadurch habe ich eine besondere Beziehung zu diesem Fleckerl. Da sind wir zu Hause.

SB: Du hast ja schon angedeutet, dass wir immer weniger werden. Die Situation ist in allen Vereinen ähnlich. Wie sieht es bei euch aus?

WJ: Bei uns ist es so. Jeden Freitag versuchen wir ab 18:00 hier Eis zu schießen. Vielleicht spricht das die Jugend an. Sie können hier vom Arbeitstag runter kommen und sich gemütlich zusammensetzen.

SB: Ein Sport zum Zusammenkommen.

WJ: Ja, des ist das Allerwichtigste. Da hat man eine Kommunikation, die man sonst nicht hat. Da kommen alle Schichten zusammen, egal ob Jäger, Bauer oder Arbeiter. Man lernt Leute kennen, mit denen man vorher überhaupt nicht können hat. Kommt dann ins Reden , da merkt man oft das Gegenteil und das der/die ganz super ist. In der Steiermark wird diese Tradition eben auch hoch gehalten.

SB: Gibt es da eine Person mit der du gern mal Skifahren gehen möchtest, oder in deinem Fall Tourengehen?

WJ: Ich habe eigentlich schon einen neuen Partner gefunden für´s Tourenski gehen. Der Werner Holzer (Anm.: Feuerwehr-Kommandant Steinhaus). Der geht mit mir und heuer möchte ich auch noch eine Dachsteinüberquerung machen, da ich das Gebiet gut kenne.

SB: Möchtest du noch abschließend etwas mitteilen?
WJ: Ich würde mir eines wünschen: Dass wir vielleicht auch in Spital wieder eine Eisbahn zusammenbekommen würden. Wir haben zu früheren Zeiten automatisch gegeneinander geschossen in der Gemeinde und uns verglichen. Leider wurde die Eisbahn aufgelöst durch die Liftsesselgarage. Und dann hat sich niemand mehr gefunden.

SB: Danke lieber Walter für das Interview.

Alles weitere vom Gemeindepokal

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