Spitaler des Monats

„Wir sind ins Herz Österreichs gezogen“

Der SpaS-Blog trifft die neu gewählte Vorsitzende des Pensionistenvereins Spital am Semmering Rosa Rachbauer. Über einen jahrzehntelangen Umweg über Salzburg zog die heute 60-jährige gebürtige Osttirolerin vor 2 Jahren mit ihrem Mann in ein Einfamilienhaus in Steinhaus.

Das Interview führte Marcel Skerget (SpaS-Blog)

SpaS-Blog: Liebe Rosa, wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Rosa Rachbauer: Mein Tag beginnt bereits sehr früh, ich bin es von früher her schon so gewohnt. Zu unserem Sonntag gehört der Besuch der Messe. Das habe ich nicht nur von der Erziehung her sondern mittlerweile ist es eine schöne Tradition. Danach kochen wir etwas ausführlicher. Früher gingen wir auch oft wandern und klettern, aber das kommt auf das Wetter drauf an. Was ich nicht kann ist nichts tun.

SB: Woher kommst du ursprünglich und wie hat es dich nach Spital vertrieben?

RR: Ich bin eines von 14 Kindern einer Osttiroler Bergbauernfamilie. Wir hatten in Sillian im Pustertal einen Hof auf 1300 Meter Seehöhe. Leider war es so, dass wir wenige Arbeitsmöglichkeiten hatten, vor allem für Frauen. Es gab gerade mal einen Sargtischler, einen Tischler, Maurer, aber nichts für mich. Ich ging daraufhin nach Salzburg, wurde Altenpflegerin und übte diesen Beruf lange Jahre aus. In Grödig fand ich anschließend aufgrund einer Umschulung einen Platz in der Finanzverwaltung der Stadt. Bis zur Pension war ich dort.

SB: Und wie kamst du dann nach Spital?

RR: Meine Schwiegertochter ist aus Spital und die Familie von ihr hat meinen Mann und mich vor einiger Zeit zu einer Silvesterfeier eingeladen. Da diese Familie ihr Haus verkaufen wollte, sagte mein Mann: Warum kaufen wir das nicht? Ich schaute ihn verwundert an und fragte ihn ob er denn getrunken hätte. Die Faszination, die Spital ausstrahlte für meinen Mann waren die Skilifte. Einmal Semmering, einmal Stuhleck. Nach langem Überlegen haben wir daraufhin zwar ein anderes Haus gekauft, in dem wir jetzt in Steinhaus leben, aber so sind wir hier her gekommen.

SB: Wie ist es dir beim Einleben in Spital ergangen ?

RR: Wir haben uns gleich zu Beginn umgeschaut nach Möglichkeiten, wie wir uns einbringen und uns integrieren können. Wir waren in Salzburg über 35 Jahre bei einem Trachtenverein. Leider gibt’s so einen Verein in Spital nicht. Auch ein Gesangsverein war nicht zu finden, so sind wir zu Hans Hirschegger gegangen und haben gefragt, was es altersentsprechend für uns gäbe? Er meinte, da gibt’s den Ferk Willi mit seinem Pensionistenverein. Ich schicke ihn zu euch. Am nächsten Tag war Willi schon bei uns, auf der Baustelle. Die Aufnahme und der Anknüpfungspunkt waren wirklich überaus herzlich, mein Mann und ich haben mal gemeint, wir sind ins Herz Österreichs gezogen. Deshalb wollten wir auch etwas an die Bevölkerung zurückgeben.

SB: Apropos Zurückgeben: Du bist ja die neu gewählte Obfrau des Pensionistenverbandes. Du trittst in die Fußstapfen des langjährigen und erfolgreichen Willi Ferk.

RR: Der Pensionistenverband hat uns von der ersten Minute an akzeptiert und eingebunden. Mit offenen Armen empfangen. Willi Ferk sagte uns, dass er aufhören möchte und einen Nachfolger/eine Nachfolgerin sucht und ob ich das nicht übernehmen möchte. Es war keine leichte Entscheidung, als „Zugezogene“, aber ich habe mich dazu entschieden. Als Dankeschön.

SB: Was hast du mit dem Pensionistenverein vor?

RR: Ich bin ja – kein Scherz – seit 1. April Obfrau. Pläne? Willi Ferk hat das alles sehr gut gemacht und sehr viel richtig. Deshalb waren die Meinungen gespalten über „die Neue“. Vor allem, ich habe gleich als erste Maßnahme den Klubraum umgestellt. Geschirrspüler und Kühlschrank gekauft und mein Mann hat dann gleich mal ausgemalt. Was ich machen möchte ist, das Einbinden der älteren und gebrechlicheren Leute, die nicht mehr zum Pensionistentreff kommen können. Geburtstagsgratulationen, öfters Kontakt über die Subkassiere und auch Einladungen persönlich hintragen. Warum mir das so wichtig ist? Wir müssen Bedürfnisse erkennen. Frühzeitig agieren, wenn Krankheiten auftreten. Wir können dabei als Verein, als Drehscheibe, wirken. Wenn jemand finanzielle Hilfe oder Sozialleistungen braucht, Arztbesuche machen muss oder ganz einfach nur jemanden braucht zum Reden und Zuhören. Da möchte ich hin. Ich komme ja aus dem Pflegeberuf. Unsere Mitglieder sollen betreut und begleitet werden, ohne Scham und Angst, dass man das Problem an die große Glocke hängt. Aber vor allem auch nicht verpflichtend, wir bieten eben dieses Service an.

SB: Abschließende Frage: Mit wem würdest du denn gerne Motorrad fahren gehen? Du hast uns ja vor dem Interview verraten, dass du neben deinem Stapler- und Kranschein, auch begeisterte Lokführerin und Motorradfahrerin bist.

RR: Mit Wolfgang Fierek (Anm.: dt. Sänger & Schauspieler – Resi, i hol di mit mein Traktor ab). Wir hatten lange Zeit eine Chopper. Und damit sind wir viel herumgefahren. Die Freiheit hat mir sehr Spaß gemacht und da war ich gar nicht mal so langsam unterwegs.

Danke für das Interview.

 

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1 Comment

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    Flohmarkt für den guten Zweck – SpaS Blog
    21. Juni 2017 at 15:23

    […] benötigen.“Gemeinsam mit dem Pensionistenverband Spital am Semmering unter der Führung von Rosa Rachbauer wurden von Reiskocher und Kleidungsstücken über Bücher, Gläsern und Wolle bis hin zu Spielen […]

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