Spitaler des Monats

Selbstläufer ist eine Tankstelle nie

15 Jahre leitete der 65-jährige Roman Jahl erfolgreich die letzte verbleibende Tankstelle von Spital an der westlichen Ortseinfahrt. Nun geht er in den wohl verdienten „Unruhestand“. Was ihm dennoch in Erinnerung bleiben wird und wie er die Zukunft seiner Zunft sieht, haben wir im Interview erfragt.

SpaS-Blog: Lieber Roman, wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Roman Jahl: Der Sonntag unterscheidet sich nicht wesentlich vom Wochentag weil ich sehr früh aufstehe. So um 5:30 aufstehen & frühstücken, lese Zeitung, gehe spazieren und lass den Tag gemütlich vergehen. Aber wenn man selbstständig ist, arbeitet man am Sonntag genauso. Dafür hat man am Montag zum Beispiel frei.

SB: Wie sah dein Lebens- und Arbeitsweg bis hier hin aus?

RJ: Gelernt habe ich Elektrotechniker, ich war 10 Jahre bei den Stadtwerken in Mürzzuschlag war daraufhin 10 Jahre im Management bei einer Versicherung und seit 30 Jahren bin ich nun selbstständig. Hab dabei 70 Länder bereist und bereits 1987 habe ich in Graz meine erste Tankstelle gehabt.

SB: Seit 15 Jahren hast du die Tankstelle gepachtet in Spital, wie bist du zur Tankstelle gekommen?

RJ: Eine ganz lustige Geschichte eigentlich: Ich war 15 Jahre in Wiener Neustadt. Habe mit einem Partner selbstständig gearbeitet. Das ging leider nicht gut. Und nachdem ich den Vorgänger Werner Kliche gut gekannt habe weil ich vorher schon 20 Jahre, genau nur hier getankt habe. Durch Zufall habe ich erfahren, dass Werner in Pension geht. Ich habe gesagt, ich würde mich interessieren. Er hat mir das dann eingefädelt und ich habe nicht mal eine Bewerbung geschrieben. Es hat nur ein Gespräch gegeben und sie haben gesagt ich bin der Mann. Ein Jahr später sind sie draufgekommen, dass ich keine Bewerbung abgegeben habe, dann musste ich sie im Nachhinein schreiben und nachreichen.

SB: Rückblickend auf deine 15 Jahre hier in Spital. Was sind so deine Highlights, die du auch in deiner Pension, in deinem Leben nicht vergessen wirst?

RJ: Alle Erlebnisse aufzuzählen würde natürlich den Bogen überspannen. Aber man muss schon sagen, dass es wahnsinnig viele positive Seiten, ein paar wenige negative Seiten gegeben hat, dass waren aber weder die Kunden noch die Gäste, noch die Spitaler. Spital hat mir das Leben hier wirklich einfach und schön gemacht. Die Leute waren alle zuvorkommend. Es hat nie eine Rauferei oder eine Blödheit gegeben. Es war jeder freundlich. Wenn auch nach dem Tanken mal einer gefahren ist, aber spätestens nach einer Stunde ist er wiedergekommen und hat sich entschuldigt und bezahlt. Ich werde nie vergessen wie einem Bauern die Kühe ausgekommen sind, ich stehe im Stüberl auf einmal sieht mich durch das Fenster eine Kuh an. Das glaubt dir außerhalb von Spital niemand.

SB: Wie hat sich eigentlich die S6-Umfahrung von Spital ausgewirkt auf das Geschäft und die Nachfrage?

RJ: Durch die Tunneleröffnungen hat man sukzessive miterlebt wie die Liter weniger werden. Der Eigentümer war dann aber so fair und hat genau hier die billigste Tankstelle in Österreich auserkoren & beworben. Wir haben einen Billigpreis bekommen, damit wieder Leute herkommen. Und dann bin ich auch gerannt, bin zu Erdbeweger, Kleinunternehmer und so weiter hin und damit ist die Literanzahl wieder gestiegen. Jetzt haben wir wieder die selbe Literabnahme wie vor der Eröffnung der Tunnelkette. Das hat damit zu tun, dass wir einen wahnsinnig großen Stammkundenanteil haben vom Buffet als auch vom Tanken her. Aber ein Selbstläufer ist eine Tankstelle nie. Du musst immer dahinter sein.

SB: Glaubst du in der heutigen Zeit, in der immer mehr Tankstellen ohne Personal aus dem Boden schießen diese, eure Form der Tankstelle mit Stüberl usw. Zukunft hat?

RJ:. Das wird wegfallen. Davon bin ich überzeugt. Das kann ich dir ganz einfach erklären: Bei mir ist der typische Fall ersichtlich: Ich bin jetzt noch Pächter. Der neue Eigentümer hat es dem alten abgekauft und setzt keinen Pächter mehr ein, sondern nur mehr einen Teamleiter – das wird die Rosi Rinnhofer werden – und sie wird zuständig sein für die 4 Damen die hier arbeiten. Und fertig. Ähnlich einem Filialsystem. Dazu kommt, dass man einem Pächter eine Literprovision bezahlen bzw. am Ende eines Vertrages der aufgebaute Kundenstock – quasi eine Art Abfertigung – abgekauft werden muss. Das ist auch nicht so wenig. Das alles erspart man sich nun, das ist der erste Schritt zur Automatisierung.

SB: Das heißt im Klartext auch diese Zusatzangebote – Shop auch am Sonntag, Stüberl, Waschbox – sind nicht ausschlaggebend? Oder doch?

RJ: Das kann natürlich sein, dass die Tankstelle als kleiner Nahversorger besteht, aber hier überhaupt nicht. Ich sag dir was dazu: Die Tankstelle lebt und stirbt mit dem Literumsatz. Der Firma ist es im Grunde genommen egal ob da ein Stüberl dabei ist das sage ich ganz brutal. Je mehr desto besser natürlich, aber es geht nur um den Literumsatz. Wenn die Liter fehlen, dann wird die Tankstelle zugesperrt. Das ist nicht nur hier, das betrifft auch jede andere Tankstelle.

SB: Wie sieht nun deine weitere Pensionsplanung aus?

RJ: Ich sage dir jetzt was und da seid ihr die ersten die das erfahren: Ich habe mit dem neuen Besitzer einen Konsulentenvertrag abgeschlossen. Ich bin zuständig für die Akquirieren von Tunnelfahrzeugen und –firmen, damit sie hier auf die Tankstelle kommen. Das mache ich freiwillig, weil ich in der Pension sowieso was tun möchte und auf der anderen Seite ist das eine Sicherung für den Erhalt der Tankstelle und der 4 Arbeitsplätze. Meine Mädls werden immer meine Mädls bleiben und sie haben immer zu mir gehalten und ich zu ihnen. Das ist ein wunderbarer Zusammenhalt.

SB: Was hast du denn sonst noch vor?

RJ: Meine Frau und ich werden natürlich mehr Zeit für unser Schiff in Kroatien haben und Radfahren bzw. Wandern gehen. Das haben wir aber zum Teil auch jetzt schon alles gemacht. Ich war schon der Meinung weniger arbeiten, weniger verdienen aber dafür mehr Freizeit. Leben tut man nur einmal.

SB: Wenn du anlässlich deines Abschiedes einen Gast bei dir begrüßen könntest, wer würde das sein?

RJ: Da gibt es schon jemanden: den Hans Knaus (Anm.: ehemaliger steirischer Skirennläufer & ORF Kommentator) weil er schon ein rustikaler Typ ist. Das könnte ich mir schon vorstellen.

SB: Lieber Roman, danke für das Interview, die Einblicke und alles Gute für deine Pension.

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