Spitaler des Monats

„Was ich selber nicht kaufen würde, verkaufe ich auch nicht“

Im November treffen wir die 53-jährige Neo-Nahversorgerin Christiane Hatzi in ihrem Nah&Frisch. Sie ist nicht nur 2-fache Oma, sondern auch im Einzelhandel eine sehr erfahrene Person. Wie sie dieses Wissen nutzen wird und was sie sich vorgenommen hat für ihr Geschäft – Erfahren Sie exklusiv bei uns:

 

SpaS-Blog: Liebe Christiane, wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Christiane Hatzi: Spät aufstehen, gemütlich frühstücken und mit den Enkeln spazieren gehen oder etwas unternehmen, Freundschaften pflegen.

SB: Du hast den Nahversorgermarkt nun einen Monat, wie hast du´s dir vorgestellt und wie ist es verlaufen bis jetzt?

CH: Ich habe eine riesen Freude. Ich war mal Sonntags im Geschäft und hab mir so gedacht – das ist Meines. Das hat eine Zeit gedauert bis ich das realisiert habe. Vom Arbeiten her selber ist es ja nichts Neues für mich.

SB: Was hast du vorher gemacht?

CH: Ich war in der Verkaufsleitung. Gebietsweise unterwegs von Oberösterreich bis Burgenland. Je nachdem. Über Schirnhofer und Zielpunkt.

SB: Also auch ein Opfer der Insolvenz.

CH: Ja, aber wo eine Tür zu geht, geht eine andere auf. In dem Fall zur richtigen Zeit.

SB: Dein Vorgänger Hans Hirschegger war ein Urgestein in Spital. 36 Jahre hat er das Geschäft geführt. Wie hat sich das ergeben, dass du das übernommen hast?

CH: Er hat mich einmal angeredet darauf. Und ich habe lange mit meinem Sohn auch überlegt. Das was ich in den Jahren gelernt habe und Erfahrung gesammelt habe weiterzugeben. Und es war eine Bauchentscheidung. Nach dem ersten Treffen war das schnell entschieden.
Ich hatte vorher 70 Stunden Wochen mit viel Autofahren. Jetzt geh ich zu Fuß und bin statt 21:30 um 18:30 zu Hause. A bissl mehr Freizeit und a bissl mehr Oma sein ist schon schön.

SB: Du hast das Geschäft bis aufs Grundgerüst her neu gestaltet. Sogar die Eingangstür hast du getauscht. Am Anfang ist gleich die einladende Gemüseabteilung zu sehen. Ist das dein Wunsch gewesen?

CH: Ja bei der Planung habe ich mitgewirkt und wenn die Leute jetzt reinkommen, dann sagen sie Wow. Wie im Supermarkt. Das ist alles am Stand der Zeit. Die Stolpertruhe am Eingang kommt zum Beispiel sehr gut an, da gibt es allerhand gesunde Lebensmittel. Und ganz neu auch frische Biosäfte. Man muss Neues ausprobieren.

SB: Allgemein gefragt: Was ist die größte Herausforderung in so einem kleinen Ort?

CH: Das Vertrauen zu gewinnen. Du kannst sehr individuell auf die Kundenwünsche eingehen – was ein großer Vorteil ist. Klein, fein aber frisch. Du musst das aus dem Kopf bekommen, dass man mit den Großen konkurriert. Hie und da mal ausgefallenes aber eben das was man alltäglich braucht. Die Nähe und Frische ist da der große Vorsprung.

Du kannst ihnen nicht alles bieten, aber an den Rückmeldungen merke ich auch: Die Großen Märkte sind sehr überfordernd für die Kunden. Da gibt es 5 verschiedene Marmelade-Regale und man geht eine halbe Stunde zur Kassa. Der Preis ist trotzdem nicht anders. Das ist der große Irrglaube, dass da alles billiger ist als beim Nahversorger. Das ist die Herausforderung hier zu bestehen.

SB: Was hast du für Pläne, was ist das Wichtigste für dich?

CH: Das wichtigste an der Sache ist das Personal. Das Lokal steht und fällt mit dem Personal. Das ist mir aus der Erfahrung her schon bewusst. Die Unsicherheit wie ziehen die mit die man übernimmt und wen nimmst du neu dazu? Ich habe eine Kollegin mitgenommen die ich seit Jahren kenne und die beiden angestammten Damen Luise und Martina habe ich  übernommen. Und ich bin begeistert, wie das funktioniert. Als Neue macht man eben Dinge anders, aber das wird von beiden wunderbar mitgetragen. Du bist eben immer nur so gut wie deine Angestellten. Alleine schaffst du das nie.

SB: Was hast du noch vor in der kommenden Zeit?

CH: Sortimenterweiterung in Richtung Biosäfte und Co. Das bevorstehende Weihnachtsgeschäft wird eine Herausforderung. Den ersten Winter rüberzubringen. Welche Anforderungen sind an uns gestellt, welche Wünsche gibt es. Was wollen die Kunden, die Wirte und Gasthäuser? Aber ich bin motiviert, dass das funktioniert.

SB: Postpartnerin wirst du auch bleiben?

CH: Ja auf alle Fälle. Das ist vertraglich geregelt. Es wird nicht wegkommen. Es war für mich komplett neu. Und ich habe mich sehr gewundert in Zeiten von Internet und E-Mail, wie viel Briefe noch aufgegeben werden und wie viele mit Erlagscheine kommen. Aber für ältere Menschen ist das wichtig und gut.

SB: Abschließende Frage, wen würdest du gern mal als Kunden in deinem Nah&Frisch gerne begrüßen und bedienen?

CH: Naja, wenn George Clooney kommen würde…Prominenz ist die eine Geschichte, aber an sich freue ich mich über jeden (neuen) Kunden und vor allem wenn er wiederkommt, sieht man das er zufrieden war. Das ist mir eigentlich wichtiger. Wenn Kunden rein kommen und sagen es ist noch immer frisch. Das ist eine schöne Rückmeldung. Ich denke mir, was ich selber nicht kaufen würde, verkaufe ich auch nicht.

 

SB: Danke für das Interview.

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