Spitaler des Monats

“Wir sind keine Basteltanten”

Der SpaS-Blog trifft nach seiner Sommerpause die 35-jährige Tamara Reiterer-Knaus in ihrem Ergotherapie-Raum in Spital. Mit dem Zwergerlcafe hat sie ein Angebot für junge Mütter geschaffen um sich auszutauschen.

 

SpaS-Blog: Liebe Tamara, wie schaut dein idealer Sonntag aus?

Tamara Reiterer-Knaus: Als Mutter von zwei kleinen Kindern ist auch am Sonntag um 7:00 Tagwache und je nach Wetter machen wir sehr gerne Ausflüge mit den Kindern. Wir machen aber auch Picknicks oder Sport.

SB: Wie bist du auf die Idee des Zwergerlcafe gekommmen?

TR-K: Es ist ja grundsätzlich so, dass leider nicht besonders viele junge Familien da sind. Für meine Kinder war es mir dennoch wichtig, dass sie den sozialen Kontakt mit anderen Kindern haben. Es gibt die Landflucht, aber wenn du dir Langenwang oder Krieglach ansiehst. Da ziehen viele hin, auch von Spital. Reihenhäuser, Baugründe und kindergerechte Wohnräume sind leider wenige vorhanden in Spital. Als ich die Idee dann gehabt habe, war der Bürgermeister aber sehr hilfsbereit und auch eine Hebamme, Katharina Skacel aus Mürzzuschlag, hat sofort mitgemacht.

SB: Wie viele kamen dort so im Schnitt hin ?

T R-K: Es ist passiert, dass wir mit 10 Müttern plus Kindern im Pfarrhof gesessen sind oder manches Mal auch nur zu zweit. Bei uns ist es darum gegangen, dass sich Mütter austauschen und dass sie die Hebamme fragen konnten.

SB: Und jetzt wird das Zwergerlcafe nicht mehr weitergeführt?

T R-K: Ja, leider wird die Zeit mit 2 kleinen Kindern und jetzt, wo ich wieder ins Berufsleben einsteige, knapp. Aber wenn sich jemand findet, dann wäre das wirklich super. Vielleicht hat jemand ein Kind und könnte das Angebot gebrauchen. Ich würde auch beim Start gern helfen.

Außerdem haben wir jetzt noch was anderes im Gedanken. Vielleicht können wir mit den Kindern in die Volksschule gehen, vor allem im Winter, dass die Kinder sich Bewegen können. Da gab es schon Gespräche. So versuche ich selber ein Angebot zu schaffen für meine Kinder.

Was ich mir persönlich wünschen würde wäre wenn ich mit dem Kinderwagen rausgehe und es ist wieder was los. Viele Geschäfte haben zugesperrt. Überall liest man „Zu vermieten, Zu vermieten, Zu vermieten“.


SB: Meinst du ist es in Spital ruhiger geworden, ist nichts mehr los?

T R-K: Im Winter geht’s, da hat der Lift offen und man hat was zum schauen, aber im Sommer ist leider nichts los.

Eine Idee: Warum kann man es nicht so machen wie beim Langenwanger Marktfest. Beim Kirtag sieht man viel Plastik Ramsch und diese Standl werden von Jahr zu Jahr auch immer weniger. Warum macht man nicht etwas mit regionalen Anbietern. Kids@Home könnte mit den Kindern was machen. Bauern die ihre Produkte anbieten könnte man auch einladen.

SB: Spannender Gedanke. Nun mehr zu dir. Du bist ja Ergotherapeutin, wie kamst du dazu?

T R-K: Ich habe 4 Jahre lang im Büro gearbeitet und hab gemerkt das ist nichts für mich. Durch Zufall bin ich dann draufgekommen, dass es die Ergotherapie gibt. Kennt man ja nicht unbedingt. Habe mich dort beworben und bin unter 750 Bewerbern ausgewählt worden, als eine von 35.

Ergotherapie heißt handeln. Wir gehen davon aus das zielgesetztes Handeln für einen Menschen wichtig ist. Es ist auch egal welches Ziel. Wenn es für die 90-jährige Oma Haube stricken für das Enkerl ist und sie das nicht mehr kann dann finden wir eine Lösung. Ich kann in der Therapie alles machen ich muss es nur begründen können und auch den Sinn dahinter vermitteln.

In der Praxis funktioniert es so, dass Ergotherapie vom Arzt verschrieben wird. Und zusätzlich vom Chefarzt genehmigt werden muss. Aber da gibt es kein Problem. Ich möchte auch hier die Gelegenheit nutzen die Ergotherapie bekannter zu machen. Oft wird man gefragt, das hat ja etwas mit Radfahren zu tun oder? , Oder „Seid ihr die Basteltanten?“ – Das hört man schon nicht ganz gern. Wir sind keine Basteltanten.

SB: Was machst du mit deinen Patienten?

T R-K: Funktionelles Training, Einlernen eines Heimübungsprogrammes, Kinesiotaping, Wärme und Kälteanwendungen, Abschwellende Maßnahmen, Gelenkschutz, Hilfsmittelversorgung, Kognitives Training etc.
Ich schaue mir an, welche Ressourcen sind da und was kann man nutzen?


SB: Welche PatientInnen versorgst du mit deiner Therapie?

T R-K: Im Krankenhaus arbeite ich in der Geriatrie. Mir macht das viel Freude. Dafür braucht man Trainings- und Hilfsmittel, Adaptierungen der Wohnung etc. In der selbständigen Arbeit habe ich andere Fälle. Dort habe ich mehr Rheuma-Patienten oder Patienten mit Handverletzungen / Handproblemen, Sehnenrissen oder auch Radiusbrüchen.

SB: Also bist du auch selbstständig tätig?

T R-K: Ich habe im Krankenhaus einen Rheuma-Arzt der mich gedrängt hat mich selbstständig zu machen damit auch eine Therapie für zu Hause angeboten werden kann als eine Art mobile Nachbetreuung. In der Karenz habe ich damit begonnen und so konnte ich immer am Ball bleiben. Das macht mir richtig Spaß. Ich sehe es eher als Berufung als einen Beruf.

SB: Abschließende Frage: Mit wem würdest du gern Klettern gehen?

T R-K: Ich würde gern mit Roland Düringer Klettersteig gehen. Ich finde seine Entwicklung sehr interessant, hab sie mir angeschaut. Alles ist nicht das was ich mir denke aber seine Ansätze bzgl. Überflussgesellschaft und anständigem Leben sind sehr spannend.

Danke für das Gespräch. Nähere Informationen unter www.ergotherapie-spital.at

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