Spitaler des Monats

„Glaube ist nicht etwas zum Sterben, sondern zum Leben“

Kurz vor der großen Feier zu seinem 40.Priesterjubiläum – beim Pfarrfest am 2.Juli – konnten wir den Spitaler Pfarrer Hans Mosbacher in unserer Pfarrkirche zu einem Interview begrüßen. Der bald 66-jährige Hirte des Pfarrverbandes Hönigsberg-Mürzzuschlag-Spital spricht bei uns sehr privat über seine Tätigkeit, schöne und weniger schöne Momente und wen er gerne öfter in unserer Kirche begrüßen möchte.

 

SpaS-Blog: Lieber Pfarrer Hans Mosbacher, wie sieht dein idealer Sonntag aus?

Hans Mosbacher: Ein idealer Sonntag ist für mich wenn nur ein Gottesdienst stattfindet. Bei zwei Gottesdiensten tut es mir manchmal leid, weil du weg musst und keine Zeit mit den Leuten verbringen kannst. Ansonsten ist ein idealer Sonntag einer, der mit Beziehungen zu tun hat. Besuche zu machen in der Heimat oder mit Leuten unterwegs zu sein. Aber es gibt auch Sonntage, wenn viel los war, wo ich mich hinlege, Musik höre und die Ruhe genieße.

 

SB: Wo liegt deine Heimat? Wo bist du aufgewachsen?

HM: Wie gar nicht so wenige aus dem Mürztal im Joglland, in Strallegg. Von daher gibt es auch viele Jugendbekanntschaften in der Nähe. Mich verbindet auch ein großes Hobby mit Strallegg. Ich versuche seit ca. 10 Jahren die Hofgeschichten meiner Heimat aufzuarbeiten. Da habe ich viele freie Stunden und Tage damit verwendet und es hat mir große Freude bereitet. Nachdem ich mit 10 Jahren schon weggegangen bin von zu Hause habe ich eine Art Heimatvergewisserung damit betrieben.

 

SB: Wie bist du zu deiner Berufung / zu deinem Beruf gekommen? Es ist ja doch, früher vielleicht weniger, aber heute eine Seltenheit, dass jemand diesen Weg einschlägt.

HM: Die Grundlagen sind sicherlich in meiner Familie zu suchen, in ihrer Religionsausübung. Wie manch andere Flugzeugführer werden möchten hatte ich eine kindliche Hinneigung durch das Ministrieren. Das muss zuerst mal reifen. Es war eine kindliche Freude. Das hat der Pfarrer gespürt und den Weg bereitet ins Seminar nach Graz. Was damals nicht so einfach war.

Was hat mich dennoch gedrängt dazu? Rund um die Zeit der Matura wollte ich eigentlich Bodenkultur studieren, weil das mitarbeiten zu Hause hat mir immer getaugt.

Möglicherweise war es aber die Zeit des Bundesheeres. Ich war der einzige Kirchengeher im Zimmer. Und da hat mich die Entscheidung im Sommer nach dem Bundesheer sehr herumgetrieben und gepeinigt. Ich wollte den Gedanken auch wegschieben, was aber nicht gelungen ist.

 

SB: Welche Stationen hast du bis zum Eintritt in unseren Pfarrverband durchschritten? Wie hat dein Weg ausgesehen bis 2003.

HM: Nach meiner Weihe 1977 bin ich 3 Jahre in Heiligenkreuz am Waasen gewesen. Eine sehr fromme und intensive Pfarre in der Oststeiermark, damals mit vielen Kindern und Jugendlichen. 7 Jahre war ich Kaplan in Leibnitz, eine sehr große Pfarre mit ca. 15.000 Katholiken. Daraufhin bin ich mit Pfarrer Glasner (pensionierter Pfarrer unseres Pfarrverbandes) nach Zeltweg gegangen. Dort waren wir 16 Jahre. Und eben damals vor 2003 ist der jetzige Pfarrverband frei geworden und wir haben uns beworben. Bis 2014 eben gemeinsam mit Pfarrer Glasner, seitdem bin ich zwar als Priester alleine, aber mit Gott sei Dank sehr guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Gerade mit 3 Pfarren ist es ganz wesentlich, dass du auch Mitarbeiter hast die Verantwortung übernehmen, von da her muss ich ehrlich sagen geht es mir nicht schlecht.

 

 

SB: Rückblickend auf deine 40 Jahre Priestertätigkeit, was wird dir auch nach deiner aktiven Zeit hängen bleiben, was hat dich in deiner Seelsorgetätigkeit geprägt?

HM: In 40 Jahren passiert relativ viel. Eines kann ich sicher sagen, dass in allen Pfarren in denen ich war, Freundschaften entstanden sind.
Natürlich sind sichtbare Dinge, gerade als Pfarrer kann man gestalten, auch nicht unwichtig. In Zeltweg haben wir die Kirche außen und innen renoviert. Auch die Spitaler Kirche wurde 2010 innen renoviert, zudem das Pfarrheim in Mürzzuschlag, das Pfarrcafé und das Pfarrheim in Hönigsberg. Mit solchen sichtbaren Dingen hat man eine Freude. Eines der wichtigsten Dinge, auch wenn man nicht zu jedem die gleiche Nähe hat, kann ich sagen, dass ich die Leute hier gern habe. Es hat im Grund sehr viel mit Situationen und Stationen zu tun die beim Menschen sehr tief gehen. Und wenn man da Anteil nehmen kann, so prägt sich das im Leben sehr ein. Die Freude mit den Menschen zu erleben aber auch die Trauer.

 

SB: Wie verarbeitest du derartige belastende Situationen., was stützt dich in dem Moment?

HM: Auf der einen Seite stützt mich die Gottesdienstliche Form. Und dann hast du Leute mit denen du reden kannst, und wie es eben in Heiligenkreuz auch war, beim Begräbnis eines Jugendverantwortlichen den ich gut kannte, wo du durchaus einmal weinen kannst. Die Dinge berühren dich als Mensch und das Gespräch bzw. das Da-sein für andere Menschen ist da sehr wichtig.

Auch wenn ich weiß jeder Mensch muss sterben und wenn ich ganz fest an ein endgültiges Sein bei Gott nach dem Tod glaube, gibt es Situationen und Stationen mit denen man als Mensch nicht zurecht kommt. Wo man mit dem Glauben ringt bzw. rauft und sich denkt „lieber Gott was hast du dir dabei gedacht“? Wobei ich weiß, dass das auch sehr kurzfristig ist und nicht viel bringt. Aber es ist menschlich. Und Gott kann sich durchaus auch von uns mal was sagen lassen.

 

SB: Was motiviert dich nach 40 Jahren, was bewegt dich dazu Priester zu sein und dein Amt so auszuüben wie du es machst?

HM: Ich mach das immer noch in den meisten Fällen mit großer Freude. Das Spüren, dass Menschen ein Wort des Aufrichtens brauchen. Ein Wort der Hoffnung, das kommt an und kommt zurück. Es ist eine Gottes-Beziehung und Menschen-Beziehung. Und der Beruf ist so vielfältig, dass es einfach schön ist.

 

SB: Du bereust deine Entscheidung also nicht?

HM: Wenn ich sagen würde es hätte niemals Augenblicke gegeben wo ich dachte, ist der Verzicht auf eine eigene Familie richtig gewesen, würde ich lügen. Ich habe relativ viele Freundschaften und Bekanntschaften und natürlich auch Sympathien die da sind mit denen man ringen muss. Aber ich traue mich sagen, bereut habe ich diesen Schritt nie.

 

 

 

SB: Zum Kirchenleben an sich: Schwindende Besucherzahlen in der Messe, dennoch einen Papst der Jugendliche anspricht, der die aktuellen und wichtigen Fragen der Zeit anspricht. Wie siehst du den allgemeinen Trend, wendet man sich in einer schnelllebigen Zeit von Gott ab?

HM: Von Gott abwenden würde ich nicht so sehen. Man merkt dann schon oft in Begegnungen und Gesprächen, wenn man hinkommt ist Gott schon da. Das wir diese konzentrischen Kreise der Sonntagsmesse leben können braucht es eine glühende Mitte, wo die Beständigkeit gelebt wird. Wenn das überaltert ist, dann ist das Glühende weg. Ich merke aber schon, dass bei manchen Sonntagen der Besuch sogar zunimmt.

Es ist schon unser Aufgabe zu vermitteln, Glaube in der Kirche ist nicht etwas zum Sterben, sondern zum Leben. Das ist mir ein großes Anliegen. Gerade in der vorigen Woche beim Begräbnis von dem jungen Mädchen, von der Michelle, habe ich mich mit den Jugendlichen zusammengesetzt. Da merkt man schon, dass sie im Kirchenrahmen einen Sinn finden. Sie haben sehr schöne Fürbitten geschrieben und Dankesworte gefunden.

 

SB: Wen würdest du gerne mal in der Messe begrüßen dürfen?

HM: In Spital haben wir Gott sei Dank ein sehr gutes Verhältnis zur Gemeinde und das ist von beiden Seiten her auch gewollt. Ich freue mich zum Beispiel schon, dass der Bürgermeister bei offiziellen Anlässen auch da ist und Anteil nimmt, aber ich täte mich mal freuen wenn er bei einem ganz normalen Sonntag in der Kirche wäre.

 

SB: Ein Abschlusssatz, Hr. Pfarrer

HM: Manche in der Pfarre Spital tun sich schwer, unser Wortgottesdienstfeier in Anspruch zu nehmen, weil sie sagen es ist keine Messe. Und da bitte ich immer wieder: Tragen wir unsere Pfarre mit, wir sind dabei. Und ich bin sehr froh, dass unsere Pastoralassistenten aber auch Laien das übernehmen und da stehe ich voll dahinter. Da hoffe ich noch auf eine größere Akzeptanz.

SB: Danke für das Interview

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