Wissenswertes

„Ich war damals 26 Jahre alt und hatte null Erfahrung”

Reinhard Reisinger startet in seine siebente Periode als Bürgermeister der Gemeinde Spital am Semmering. Im Interview erzählt er von seinen Anfängen in den 1990-Jahre, seinen abgeschlossenen Projekten und seinen Vorhaben für die kommende Periode.

SpaS-Blog: Vom Gemeindebediensteten ohne etwaige Erfahrung in der Kommunalpolitik zum Bürgermeister. Wie ist es dazu gekommen?

Reinhard Reisinger: Als der damalige SPÖ-Spitzenkandidat Ferdinand Lampl aufgrund eines Unfalls seine Kandidatur zurückzog und sich kein Nachfolger fand, kam der damalige Bezirksparteiobmann Karlheinz Vollmann auf mich zu und fragte mich, ob ich mir das Vorstellen kann.

SB: Und du hast gleich ja gesagt?

RR: Nein, ich hab zweimal Nein gesagt. Ich war damals 26 Jahre alt und hatte null Erfahrung. Nach mehren Überredungsversuchen sagte ich aber schließlich ja.

SB: Du hast sofort die absolute Mehrheit für die SPÖ zurückgeholt, wie kam es zu diesem Erfolg?

RR: Ich war bereits damals Vereinsfunktionär beim Wintersportverein, ich arbeitete im Meldeamt auf der Gemeinde. Man kannte mich einfach im Ort.

SB: Nach dem Wahlsieg wuchs deine Bekanntheit wahrscheinlich noch an.

RR: Da kann ich mich noch an ein ORF-Interview am Wahltag erinnern. Wir standen vorm Gasthof Pollerus und meine Beine haben gezittert, zum Glück sah man aber im Fernsehen dann nur meinen Oberkörper.

SB: Wie ging es dir dann in den ersten Monaten als Bürgermeister?

RR: Obwohl ich eigentlich keine Erfahrung hatte und niemanden so richtig kannte, bin ich immer leicht zu Terminen bei etwaigen Landesräten usw. gekommen. Hier half mir glaube ich mein jugendliches Alter. So junge Bürgermeister waren damals einfach nicht üblich und so wollten mich einfach viele einmal sehen.

SB: Welche Projekte hatten für dich in deiner bisher 30-jährigen Laufbahn besondere Bedeutung?

RR: 1994 haben wir den Kindergarten Steinhaus umgebaut und die zweite Gruppe eingeführt. Ein großes Projekt war 1996/97 die komplette Neugestaltung des Ortszentrums. Der Bau der S6 von 1998 bis 2004, den wir als Gemeinde immer unterstützten, hatte große Bedeutung für unseren Ort. Bereits 1971 wurde von der Umfahrung gesprochen, als Highlight fällt mir hier die öffentliche Gemeinderatssitzung auf der B306 ein, die wir organisierten. Weitere wichtige Projekte waren die Sanierung der Volksschule mit dem Umbau des Turnsaals in eine Mehrzweckhalle plus Liftzubau sowie der Neubau des Feuerwehrrüsthauses. Aus jüngster Vergangenheit sind es der Bau des Semmering-Basistunnels sowie der Funcourt.

SB: Was möchtest du in der kommenden Periode umbedingt umsetzen?

RR: Die Schaffung von neuem Wohnraum. Dafür haben wir ja bereits einen Teil der Försterwiese gekauft, hier möchte ich aber unbedingt auch den zweiten Teil für Wohnbau von den Bundesforsten ankaufen. Weiters ist ein Wohnbauprojekt für Betreubares Wohnen auf dem bereits gekauften Grundstück zwischen Kirche, Feuerwehr und Gemeinde in Planung. Wichtig ist mir auch die Erneuerung der Infrastruktur, mit den Mehreinnahmen durch den Tunnelbau möchte ich unsere Straßen und Versorgungsleitungen auf Vordermann bringen. Wir haben teilweise noch Wasserleitungen aus den 1920-Jahren.

SB: Gibt es etwas, dass du als Bürgermeister bedauerst nicht geschafft zu haben?

RR: Ja, das Stoppen der Abwanderung.

SB: Du bist der inzwischen längstdienende Bürgermeister in der Gemeindegeschichte seit es Aufzeichnung gibt. Sebastian Seidl (1620 – 1646) hast bereits klar überholt, wie lange möchtest du dieses Amt noch ausüben?

RR: Diese Periode werde ich auf alle Fälle noch abschließen. Ob ich mich danach noch einmal der Wahl stelle, weiß ich noch nicht, aber alles ist möglich.

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1 Comment

  • Reply
    Neuer Spitaler Gemeinderat offiziell angelobt – SpaS Blog
    30. Juli 2020 at 17:17

    […] 14 anwesenden Gemeinderäten wurde Reinhard Reisinger (SPÖ) als Bürgermeister gewählt, der damit in seine bereits siebente Amtsperiode startet. Mit jeweils zwei Gegenstimmen wurde Maria Fischer (SPÖ) als Vizebürgermeisterin und Helfried […]

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